Ganz im Norden Deutschlands, in Dithmarschen direkt an der Nordseeküste, ist es bald wieder so weit: Die legendäre Grünkohlsaison startet. Jahr für Jahr bieten viele der regionalen Küchen Grünkohlessen an und buhlen um die Kunden: Urlauber, Wochenendreisende, aber vor allem Bewohner der Region.
Die Restaurants in Dithmarschen wittern Umsatz und möchten dafür sorgen, dass ihre Kunden während der Saison immer wieder bei ihnen einkehren – ein beliebter Anreiz sind neben leckerem Grünkohl dabei Rabatte.

Eine Grünkohl-Revolution bahnt sich an

Jedes Rabattsystem (typischerweise die Stempelkarte) funktioniert jedoch unterschiedlich. Jedes Restaurant muss sich das Konzept des Rabattmarkensystems selbst ausdenken, Rabatthefte und Rabattmarken drucken lassen – und über all dem hängt das Damoklesschwert der Digitalisierung!
Doch ein Finanzinstitut wagt sich aus der Komfortzone. Die (fiktive) Dithmarscher Regionalbank (DiReBa) hat vor, dieses Damoklesschwert auf die Stempelkarten fallen zu lassen: Sie möchte ein digitales Rabattsystem anbieten, um die Restaurants und die Grünkohlindustrie zukunftsorientiert zu stärken.
Doch jede Klinge ist zweischneidig: während den analogen Stempelkarten die Digitalisierung des Rabattsystems droht, setzen diese auf die allgegenwärtige Herausforderung eines jeden Projektes in jeder Branche – die Zeit. Denn die Grünkohlsaison ist nur drei Monate entfernt.

Zeit ist Geld, oder in diesem Fall Kohl

Damit die Restaurants ihren Umsatz mit dem digitalen Rabattsystem der DiReBa generieren können, ist zwingend eine kurze Time-to-Market erforderlich – von nur drei Monaten! Der IT-Dienstleister der Bank rechnet allerdings mit mindestens einem Jahr Projektlaufzeit.
Natürlich hören die Herausforderungen da nicht auf; ebenso wie das perfekte Grünkohlrezept das Ergebnis von jahrhundertelanger Anpassung des Ausgangsrezeptes ist, benötigt auch die Entwicklung eines digitalen Rabattsystems laufend Feedback. Nur so kann es den Wünschen und Bedürfnissen der Grünkohlrestaurants gerecht werden.
Genau hier helfen agile Vorgehensmodelle mit zwei- bis dreiwöchigen Entwicklungszyklen, sogenannten Sprints, in denen die Rückmeldungen der Anwender bei der Erstellung des MVP laufend berücksichtigt werden.
Im Sinne der Durchgängigkeit muss sich die Flexibilität aus der Entwicklung auch im Betrieb der Anwendung widerspiegeln. Hierzu muss das Rabattsystem als Software-as-a-Service (SaaS) über einen Dienstleister betrieben werden.
Das flexible Auslagern des Betriebs kann der DiReBa auch langfristig Vorteile bieten. Wenn die SaaS-Lösung in der diesjährigen Saison erfolgreich sein sollte, muss sie für die weitere Verwendung in der Zukunft jedoch zwei Anforderungen erfüllen: Elastizität (denn die Nachfrage ist saisonal) und Skalierbarkeit (Anwendung soll von mehr, auch überregionalen Nutzern verwendbar sein). Als logische Folge entschließt sich die DiReBa für eine Cloud-native Entwicklung (CnE) des MVP, um das Produkt anschließend als SaaS betreiben lassen zu können .

Nach der Grünkohlsaison ist vor der Weißkohlsaison

CnE bietet der DiReBa die Möglichkeit, das Rosshaar des Damoklesschwerts durchzuschneiden. Hatten die Stempelkarten zuvor gedacht, die Softwarelösung würde an den Anforderungen und der Zeitbegrenzung scheitern, werden sie nun überrascht: denn CnE bietet eine extrem kurze Time-to-Market. In drei Monaten von der Idee zu einem MVP zu kommen ist keinesfalls unrealistisch. Für Stempelkartendruckereien ist das ein Schock! Die kannten bisher nur Grünkohl – der braucht zwei Jahre bis zur Ernte.
Wussten Sie, dass Grünkohl problemlos in Containern wachsen kann? Ja? Wir nicht, bis wir eine flüssige Überleitung zur Containerisierung der CnE-basierten Softwarelösung benötigten. Denn diese ermöglicht es, zusammen mit der Cloud-native-Architektur, die nötige Elastizität der Anwendung herzustellen: Zu Spitzenzeiten können zusätzliche Kapazitäten bereitgestellt werden, bei Flauten können diese aber auch wieder heruntergefahren werden. Das Ganze kann in einem Open-Source-System betrieben werden, das die Bereitstellung, Skalierung und Verwaltung solcher Container-Anwendungen automatisiert.
Die fertige Softwarelösung ist damit anbieterunabhängig. Sollte es zu großer Nachfrage auf überregionaler Ebene kommen, ist die Anwendung beliebig skalierbar, z. B. wenn Krautergersheim die Anwendung auch für ihr Weißkohlfest nutzen möchte, oder Tiefenbronn für ihr Rotkrautfest. Oder jemandem fällt auf, dass ein Rabattsystem nicht an Kohlfeste gebunden ist und verwendet es für etwas ganz anderes. Unter Umständen müsste die DiReBa dann auf einen Hyperscaler wechseln. Aber keine Sorge! Da die Softwarelösung leicht portierbar ist, stellt das kein Problem dar.

Nach dem Motto “Ich habe da mal was vorbereitet”

Das Ergebnis: Nach drei Monaten ist das erste MVP bereit, innerhalb kürzester Zeit in einem CnE-Projekt auf die Beine gestellt. Durch agile Vorgehensweisen anhand von Konsumentenfeedback in einer Cloud-Architektur entwickelt, ist es zukunftsfähig im Betrieb und flexibel anpassbar.
Die DiReBa ist begeistert, Grünkohl-Freunde sind begeistert und die Grünkohl-Anbieter sind besonders begeistert. Gratulation, damit ist die Grünkohlsaison gerettet! Auch Superman hätte es nicht besser gekonnt … und CnE gibt es wenigstens wirklich.

Die Einzigen, die meckern, sind auf Stempelkarten spezialisierte Druckereien, aber das wütende Knattern ihres Faxgerätes können wir in dem Jubel über die Digitalisierung der Dithmarscher Kohltage gar nicht hören.

Gastautoren:
Stefan Vocke, Manager IT-Consulting
Tobias Döbber, Manager IT-Consulting

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