Wie meine Kollegin Astrid Freier im Vorgängerartikel bereits festgestellt hat: Zu Open Finance und auch FIDA gibt es mittlerweile mehr Antworten als Fragen. Zwar stellen sich bei FIDA nach wie vor die Fragen nach dem Zeitrahmen für die tatsächliche Umsetzung und der Bildung der Schemes – nichtsdestotrotz wird sich aber an den groben Inhalten nichts mehr ändern. 

Let’s do it – aber wie? Wie so oft ergibt es Sinn, das Thema vom Ende her zu denken. Wie möchte ich mich als Institut in einem offenen Ökosystem positionieren? Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber aus unserer Sicht werden sich die folgenden beiden Strategien im Markt durchsetzen: 

  1. Positionierung als effizienter, zuliefernder, spezialisierter Produzent ausgewählter Banking-Services mit hoher Fertigungstiefe 

Die Bank bietet eigene Finanzprodukte und Konto- beziehungsweise Kundendaten auf Plattformen außerhalb des Sektors an und deckt so einen Teil des dortigen Bankproduktbereichs ab (Banking-as-a-Service). Die Bank ermöglicht einem Drittanbieter, Daten für digitale Steuererklärungen – Transaktionen, Dokumente oder Ähnliches – über die jeweilige API zu beziehen. Die Kundenauthentifizierung erfolgt über die Produkte der Drittanbieter. Somit gliedert sich das Institut mit spezialisierten Banking Services in größere (ggfs. branchenfremde) Wertschöpfungsketten ein. Über ein Dashboard bei dem jeweiligen Institut kann der Endkunde jederzeit einsehen, welcher Drittanbieter aktuell Zugriff auf die Kundendaten hat.  

  1. Positionierung als Vertriebsbank innerhalb eines digitalen Ökosystems 

Die Bank wird ein zentraler Player in einem digitalen Ökosystem bzw. einer Plattform mit unterschiedlichen, integrierten Dienstleistungen, die auch von FinTechs und Nichtbanken stammen können. Diese sind direkt mit den entsprechenden Kundendaten und -transaktionen der Bank verknüpft. Je nach Reichweite und Leistung der Plattform könnten auch Telekommunikationsunternehmen, Versicherer, Energieversorger oder andere Partner im Rahmen einer Beyond-Banking-Strategie beteiligt sein. 

FIDA ist mehr als nur eine lästige Pflicht – proaktive Institute werden profitieren  

Natürlich wird mit FIDA auch die Pflicht zur Umsetzung bestimmter Use-Cases (bzw. APIs) bestehen. Diese werden unter Umständen auch nicht passgenau zur Strategie einzelner Institute passen. Aber genau hier gilt es für die Institute proaktiv mitzugestalten. Denn nach dem Inkrafttreten der FIDA werden sich eine Reihe von Schemes bilden, die in wahrscheinlich sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten die Konzeption und Umsetzung verbindlicher APIs vorantreiben werden. Mit einem klarem Plan, welche APIs am besten auf die eigene Strategie einzahlen, können Institute die Umsetzung der FIDA zum eigenen Vorteil lenken und mitgestalten.  

Unzählige spannende Use-Cases – mit echtem Mehrwert für den Endkunden 

Gerade in digitalen Ökosystemen ergeben sich spannende Use-Cases, die für viele Endkunden äußerst interessant sein dürften.  

Wenn man beispielsweise einmal die Erfahrung gemacht hat, wie aufwendig der Abschluss eines Mietvertrages im Zuge eines Umzugs war: Mietschuldenfreiheitserklärung, Gehaltsnachweise, Bonitätscheck etc. – all diese Unterlagen mussten über verschiedenste Quellen zusammengesucht und dann bereitgestellt werden. Mit Open Finance lässt sich ein derartiges Kundenproblem über ein offenes Finanzökosystem mit bidirektionalem Datenzugriff prima lösen. Dieser Use-Case könnte nur ein kleiner Teil der „Lebenswelt Immobilie“ mit umfänglichen Angeboten sein: Sanierung der Immobilie, Einbindung von Handwerkern, Energieeffizienzexperten, Fördermittel, Finanzierungen, Schlüsseldienst, Versicherungen rund um die Immobilie, Nachbarschaftsaustausch… Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – mit einem echten Mehrwert für den Kunden! 

Die nächsten Monate werden wegweisend 

In Bezug auf die noch offenen Fragen werden wir uns auch hier in den nächsten Monaten wieder melden, sobald es Neuigkeiten rund um die FIDA-Regulierung und Open Finance gibt. Aber wie gesagt: Wer bereits heute an einer passenden Strategie für das eigene Institut arbeitet, wird bei Open Finance morgen auf der Gewinnerseite stehen. 

Autor: Florian Hartmann

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